Die Kapelle „Maria am Wege“

Der Innenraum der Kapelle

1864 erwarb Prinz Georg von Sachsen (1832-1904), von 1902-1904 König von Sachsen , an der heutigen Dresdner Straße in Hosterwitz ein Grundstück, auf dem er eine Sommervilla errichten ließ. Hier verbrachte er mit seiner Familie die Monate April bis September.
Anfangs besuchte die Familie während ihres Aufenthalts in Hosterwitz zu den Gottesdiensten die Pillnitzer Schlosskapelle. 1877 errichtete Prinz Georg die Kapelle “Maria am Wege”. am 15. August 1878, dem Fest Mariä Himmelfahrt und Namenstag der Gemahlin des Prinzen Georg, Prinzessin Maria Anna (1843-1884), weihte Bischof Franz Bernert, Apostolischer Vikar von Sachsen, die Kapelle ein.
Der liturgische Titel der Kapelle ist “Mariä Himmelfahrt”. Aber schon Ende des 19. Jahrhunderts kam für die Kapelle der Name “ Maria am Wege” auf, vermutlich in Anlehnung an die evangelische Kirche “Maria am Wasser”.
Die Kapelle war für die Familie des Prinzen bestimmt, stand aber auch den Katholiken der Umgebung, die pfarrmäßig zur Hofkirche gehörten, zu Gottesdienstbesuchen offen.
Als Geistliche wirkten an der Kapelle zunächst Priester, die im Hause des Prinzen als Erzieher tätig waren. Bis zum Tode von Prinzessin Mathilde von Sachsen (1933) war die Kapelle eine Privatkapelle.
Mit der Errichtung der Pfarrvikarie St. Petrus Canisius in Pillnitz (1940), wurde die Kapelle eine Gottesdienststätte der Vikarie.
Die Kapelle “Maria am Wege” wurde nach Plänen des k.u.k. Ingenieurs und Baurats Joseph Rokita/Innsbruck gebaut. Es ist ein Ziegelbau im neugotischen Stil. Sie besteht aus einem quadratischen Kirchenraum, dem sich ein halbrunder , erhöhter Altarraum anschließt. Den Altar fertigte 1877 die “Dresdner Hofbildhauerei und -tischlerei Udluft & Hartmann”. Das Altarbild schuf 1877 die Dresdner Malerin Anna Maria Freiin von Oer. Die Wandmalerei und Buntglasfenster fertigte 1878 die Mayersche Hofkunstanstalt und Glasmalerei München an.
Der als Rad gestaltete Deckenleuchter, eine Eisenkunstgussarbeit aus Lauchhammer, wurde in der ersten Hälfte der 80er Jahre im damaligen Gebrauchtwarenhandel der DDR gekauft.
Über dem Altartisch erhebt sich die in Holz ausgeführte, mit Schnitzereien verzierte Predella. In deren Mitte steht in vergoldeter Schnitzerei der Tabernakel; Aufbewahrungsort der konsekrierten Hostien. Rechts und links vom Tabernakel ist je eine Engelsfigur angebracht. Die Linke mit dem Spruchband: “Dieses Brot ist Engelsspeise, wahres Brot zur Erdenreise”. Die Rechte mit dem Spruchband: ”Nahrung Kindern gleicherweise, werft es nicht den Hunden vor”. Auf dem Tabernakel steht ein Kreuz. Über der Predella ist in reich geschnitzter Staffierung das Altarbild angebracht. Es hat das Thema “Flos de radice Iesse” – “Blume aus der Wurzel Jesse”. Das Bild zeigt Maria, das Jesuskind im Arm haltend, umgeben von einem goldenen Strahlenkranz. Rechts und links zu Füßen Mariens ein Rosenstrauch, der die Wurzel Jesse versinnbildlicht, aus der die Blume Christus entspross. Über dem Haupt Mariens ist eine Taube dargestellt; das Symbol des Heiligen Geistes. Darüber das Antlitz Gottvaters. Am Rande des goldenen Strahlenkranzes ist eine Inschrift angebracht, die sich auf dem Saum des Obergewandes Mariens fortsetzt. Es ist ein Satz aus der Heiligen Schrift des Alten Testaments, aus dem Buch des Propheten Jesaja und lautet: “Et egredietur virga de radice Jesse, et flos de radice eius ascendet, et requiescet super eum spiritus Domini; Spiritus sapientiae et intellectus, Spiritus consilii et fortitudinis, Spiritus scientiae et pietatis.“ – “Und es wird ein Reis aufgehen aus der Wurzel Jesse und eine Blume aus seiner Wurzel hervorgehen und der Geist des Herrn wird auf ihm ruhen; der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Frömmigkeit”.
Im Kunststil der Nazarener, als deren letzte Vertreterin die Malerin in der Literatur bezeichnet wird, hat Anna Maria von Oer dieses Bild geschaffen.
Die Wände des Raumes wurden 1878mit einer Malerei in der Art mittelalterlicher, mit reichen Ornamenten geschmückter orientalischer Teppiche versehen. Diese “Teppiche” sind ein Hinweis auf das Zelt des alttestamentlichen Gottesvolkes, in dem die Gesetzestafeln in der Bundeslade aufbewahrt wurden.

Die Fenster

Die Fenster auf der rechten Seite

Hinter dem Altar befinden sich drei Buntglasfenster. Jedes der Fenster zeigt im oberen Feld das Brustbild eines musizierenden Engels. Die übrigen Teile der Fenster sind mit Ornamenten in reicher Farbgebung geschmückt.
Auf der linken und rechten Seite des Kapellenraumes befindet sich ein dreigliedriges Fenster, dessen mittleres Feld die Seitenfelder an Höhe überragt. Diese Fenster zeigen in ihren oberen Feldern die Brustbilder von Engelsdarstellungen und in den übrigen Feldern Heilige, die die Namenspatrone und Schutzheiligen der einzelnen Mitglieder der Familie des Prinzen Georg sind.
Das linke Fenster zeigt im Mittelfeld oben das Brustbild eines Engels. Darunter steht der heilige Ritter und Martyrer Georg (gest. um 300) mit dem Drachen zu seinen Füßen, dem er die Lanze in den Rachen stößt. Darunter ist das herzoglich-sächsische Wappenangebracht. Über dem Wappen die königliche Krone, unter ihm der Wahlspruch des sächsischen Königshauses: “Providentiae memor” – “Gedenke der Fügungen”. Der hl Georg ist der Namenspatron des Prinzen Georg.
Das rechte Seitenfeld dieses Fensters zeigt oben wiederum das Brustbild eines Engels. Darunter ist der heilige Bischof Friedrich von Lüttich (gest. 1121) am Altar während des Gottesdienstes dargestellt. Der hl Friedrich ist der Namenspatron des Prinzen Friedrich August (1865-1932), des ältesten Sohnes des Prinzen Georg und letzten Königs von Sachsen (1904-1919). Darunter ist der hl. Maximilianus, Bischof von Lorch, dargestellt. Der Heilige ist Namenspatron des Prinzen Max von Sachsen (1870-1951), der als Priester in der Schweiz wirkte.
Das linke Seitenfeld zeigt oben wieder das Brustbild eines Engels. Darunter ist der hl. Johann von Nepomuk, Generalvikar der Erzdiözese Prag und Beichtvater der böhmischen Königin, dargestellt, wie ihn der böhmische König Wenzel bedrängt, um von Johann Nepomuk den Inhalt der Beichte der Königin zu erfahren, die gerade den Beichtstuhl verlässt. Johann Nepomuk ist der Namenspatron des Prinzen Johann Georg von Sachsen, der eine Reihe landes-, kirchen- und kunstgeschichtlicher Arbeiten veröffentlicht hat. Darunter ist der hl. Albertus Magnus, Kirchenlehrer und bedeutender Theologe aus dem Dominikanerorden, dargestellt, wie er den Glauben verkündet. Albertus Magnus ist der Namenspatron des Prinzen Albert von Sachsen, der mit 25 Jahren als sächsischer Offizier bei einem Unfall verstarb.
Das rechte Fenster im oberen Teil des Mittelfeldes das Brustbild eines Engels. Darunter ist eine Darstellung “Maria Immaculata” – “Maria, die Makellose”. Maria ist die Namenspatronin der Gemahlin des Prinzen Georg, Prinzessin Maria Anna, einer geborenen Infantin von Portugal aus dem Hause Braganza. Deswegen erscheint unter der Darstellung Mariens das Braganzawappen. Unter dem Wappen steht die Devise des Hauses Braganza “In hoc signo vince” – “In diesem Zeichen wirst du siegen”. Gemeint ist das Zeichen des Kreuzes Christi.

Der Hl. Melchisedek

Das linke Seitenfeld zeigt oben auch das Brustbild eines Engels. Darunter ist die hl. Mathilde, Gemahlin König Heinrich I. Die hl. Mathilde ist als Wohltäterin der Armen dargestellt. Sie ist die Namenspatronin der Prinzessin Mathilde von Sachsen, einer sprachbegabten Frau und Malerin. Manche katholische Kirchen besitzen von ihr geschaffene Altarbilder. Darunter  ist eine Darstellung der Verkündigung Mariens – der Engel bringt Maria die Botschaft.
Das rechte obere Seitenfeld zeigt den hl Josef, Maria und Jesus in der Zimmermannswerkstatt in Nazareth. Josef ist der Namenspatron der Prinzessin Maria Josepha von Sachsen, Mutter des letzten österreichischen Kaisers Karl I.. Weiter darunter die Krönung Mariens.

An der rechten und linken Wandbefinden sich je zwei farbig bemalte holzgeschnitzte Figuren. Rechts: Melchisedek und Isaak. Links: Petrus Canisius und Abel. Sie stammen aus Südtirol (Beginn 20. Jh.). Petrus Canisius ist der Patron der Pfarrvikarie Pillnitz. Er erhielt seine farbige Fassung erst 1991 von Frau Uta Fischer, Rossendorf.
In den 90er Jahren (1991-1997) erfolgte eine umfassende Renovierung und Restaurierung der Kapelle mit dem Ziel, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Ebenso wurde eine Elektroheizung eingebaut. Das Glöckchen über der Eingangstür kann aus Sicherheitsgründen nicht mehr betrieben werden

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