Die Kreuzikone von Taizé 3

Leiturgia – Martyria – Diakonia
Das Taizekreuz und die drei Grundvollzüge der Kirche

Wer in die Kirchengeschichte zurückblickt, kann wahrnehmen, wie stark sich das äußere Erscheinungsbild unserer Kirche verändert hat: Das gilt nicht nur für den Baustil von Kirchen. Im Laufe der Zeit haben sich viele Dinge gewandelt: Frömmigkeitsformen, die Weise, wie der Gottesdienst gefeiert wird oder wie das Leben einer Gemeinde organisiert ist. Die äußere Gestalt der lebendigen Kirche ist einer beständigen Veränderung unterworfen.

Wie bei jedem Menschen, der sich im Laufe seines Lebens verändert und trotzdem immer unverwech selbar derselbe bleibt, so hat auch die Kirche eine gleichbleibende Identität durch ihre Geschichte hin durch. Dieses unverwechselbare Gesicht der Kirche wird erkennbar an ihren drei Grundvollzügen:

Leiturgia – Die Feier des Gottesdienstes
Martyria – Das Zeugnisgeben vom Glauben
Diakonia – Der liebende Dienst am Nächsten

Wenn die Kirche einen dieser drei Grundvollzüge vernachlässigen oder gar ganz aufgeben würde, hätte sie aufgehört, Kirche zu sein. Da Kirche aber nicht ein Bauwerk ist, sondern die Gemeinschaft von glaubenden Menschen, bedeutet das: Jeder einzelne Christ hat in seiner Taufe den Auftrag erhalten, in seinem Alltag so zu leben und dieses zu vollziehen. Auf diese Weise trägt er dazu bei, daß die Kirche ihre Identität behält und als der lebendige Leib Jesu Christi in die gegenwärtige Welt hineinwirkt.

Bei der Betrachtung des Kreuzes von Taizé kann man die erstaunliche Entdeckung machen, daß dort diese drei Grundvollzüge wiederzufinden sind: Maria wird, indem sie sich dem Leidenden durch ihre Berührung zuwendet, zum Bild des caritativen Christen. Johannes wird, indem er am Wort Gottes festhält, zum Bild des Christen, der durch sein Feststehen im Glauben ein Zeuge Christi ist. Entdeckt man schließlich, gemeinsam mit Maria und Johannes stehe ich als Betrachter betend vor dem Gekreuzigten, dann wird diese Gebetsgemeinschaft zum Bild der zum Gottesdienst versammelten Kirche.

Auf ganz wunderbare Weise kann derjenige, der sich in die Betrachtung des Kreuzes von Taizé hineinversenkt, etwas vom Geheimnis der Kirche erahnen. Plötzlich leuchtet auf, wie Jesus Christus die Gemeinschaft derer, die sich zu ihm bekennen, gewollt hat – und auf welche Weise er unter uns gegenwärtig ist.

Wer sich schließlich auf den Weg nach Taizé macht, um das Leben der Communauté näher kennenzulernen, der wird dort die drei Grundvollzüge der Kirche als ihre Lebenspraxis wiederfinden: Mehrere Brüder leben in den Armenvierteln unserer Erde, in Bangladesh, New York, Korea, Brasilien, Afrika – berührt von den Leiden der ärmsten. In Taizé selbst finden täglich Bibeleinführungen und -gespräche statt. Das Festhalten am Wort Gottes wird zur Quelle des Lebens. Das dreimalige Gebet am Tag führt alle zur Anbetung der Gegenwart Christi.

So wird es möglich, all das, was die Kreuzikone zeichenhaft zur Sprache bringt, hautnah zu erleben. Und es wird möglich, durch diese Erfahrung gestärkt, in seinen Alltag zurückzukehren, um dort selbst zu einer Kirche beizutragen, die Ort der lebendigen Gegenwart Jesu Christi ist.

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