Da öffnete sich der Himmel

von Pfr. Christoph Birkner

Gestaltung der Decke des Altarraumes, Entwurf Regina Löser

Es war in einem Vorbereitungskurs auf die Erwachsenentaufe. An jenem Abend stand im Mittelpunkt die Taufe Jesu. Wir lasen gemeinsam den Text Mk 1,9-11. Nach einer Stille der Betrachtung fragte ich: „Wie haben Sie dieses Ereignis erlebt?“ Eine junge Frau, die vor wenigen Wochen ihr erstes Kind bekommen hatte, sagte: „Ich weiß nicht, wie man das verstehen soll: da sah er, wie der Himmel sich öffnete. Für mich war das wie eine Geburt.“

Ohne theologische Vorbildung, allein aus ihrem Gefühl und ihrer Erfahrung heraus hat diese junge Frau etwas ganz Wesentliches gesagt. Jesus spricht mit Nikodemus über die Taufe und sagt: „Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Heiligen Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“

Dieser Blick auf den geöffneten Himmel und die Deutung der Taufe wurde mir wieder geschenkt, als ich die neu gestaltete Pfarrkirche St. Hubertus in Dresden – Weißer Hirsch im November vorigen Jahres betrachtete. Schon beim Betreten des Gotteshauses wird man in Bann gezogen von dem ganz in mattem Gold strahlenden Altarraum. Hier ist heiliger Boden. Wenn ich auch nicht die Schuhe ausziehe, bleibe ich doch still und staunend stehen. Außer dem Tabernakel und dem Kreuz über dem Altar gibt es keinen figürlichen oder bildhaften Schmuck. Die Augen tasten ab die vom rauhen Putz strukturierten goldenen Wände. Erst als ich näher herantrete, sehe ich oben an der Decke im Altarraum ein Relief, das mich sofort an dieses Ereignis bei der Taufe Jesu erinnert: Der geöffnete Himmel und der Geist, der wie eine Taube auf ihn herabkam. Das seitlich einströmende Licht lässt dieses Bild sehr plastisch und fast lebendig erscheinen, faszinierend und geheimnisvoll.

„Der geöffnete Himmel“ – dieses Bild lässt mich nicht mehr los. Ich trage zusammen, wo in der Heiligen Schrift dieser Begriff noch gebraucht wird.

Die erste Stelle finden wir im Buch Genesis (28,17): Jakob erwacht aus dem Traum von der Himmelsleiter und sagt: „Wie ehrfurchtgebietend ist doch dieser Ort! Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels.“ Jesus sagt zum staunenden Nathanael: „Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah. Du wirst noch Größeres sehen. Und der sprach zu ihm: „Amen, amen, ich sage euch, ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.“ (Joh 1,50f.)

Ganz ähnlich wie bei der Taufe wird uns Jesus geschildert bei der Verklärung auf dem Berg: „Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.“ (Mk 92-10)

Nach der Brotvermehrung sagt Jesus zu den Leuten: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.“ (Joh 6,27.51)

Vor dem Hohen Rat wird Jesus gefragt: „Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten? Jesus sagte, Ich bin es. Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht Gottes sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen..“ (Mk 14,61f.)

Stephanus ruft kurz vor der Steinigung: „Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ (Apg 7,56)

Ich glaube, man kann sagen: Dieses Wort vom „geöffneten Himmel“ ist wie ein Schlüssel für Jesu Tun, seine Verkündigung, seinen Weg. Es sind immer nur Momente, die dieses Wort beschreibt, besondere heilige Augenblicke, die uns vom Zugang zum unbegreiflichen Gott erzählen. Wir Menschen sind angewiesen auf sinnliche Wahrnehmung, auf Bilder. Um uns begreiflich zu machen, dass Gott einer von uns geworden ist, damit wir teilhaben an seinem Leben, ist dieses Bildwort uns geschenkt.

Ich bin sehr dankbar für die eindrucksvolle künstlerische Gestaltung dieses Themas von Regina und Wolfgang Löser in der Kirche St. Hubertus in Dresden – Weißer Hirsch.

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