Pfarrei 1957

Von 1954 bis zur Errichtung der Pfarrei am 21. April 1957

Der Pfarrer wohnt im Kohlenkeller des Pfarrhauses Lausitzer Str. 1

Über den schwierigen Anfang seines Dienstes als Pfarrvikar schreibt Aloys Bolte selbst:

“Am 15. Oktober 1954 – einem Freitag – trat ich meinen Dienst in St. Hubertus an. Im Pfarramt St. Franziskus-Xaverius, Dresden-Neustadt erhielt ich die Kartei von 1.350 Seelen, die Abschrift der Errichtungsurkunde und eine Statistik. Für die Pfarrvikarie waren die St. Hubertus-Kirche im Doppelgrundstück Am Hochwald 6-8 und das Pfarrhaus Lausitzer Str. 1 vorhanden. Dieses Haus war im Sommer 1954 von der Kirche durch Kauf erworben worden. (…) Eine Wohnung für den Seelsorger wurde aber noch nicht frei, weil die Mieter sich weigerten zu räumen. Deswegen musste zunächst eine provisorische Unterkunft beschafft werden. Das war als Untermieter bei Frau Vogel, Dresden-WH, Preußstr. 3 möglich. (…)

Am 28. Oktober 1954 wurde im Keller des Pfarrhauses , Lausitzer Str. 1, eine Notwohnung bezogen. (…) Es wurde zum Stadtgespräch, dass dem Pfarrer vom Weißen Hirsch ein früherer Kohlenkeller zur Wohnung diente. Diese Stimme des Volkes veranlasste dann wohl auch die behördliche Wohnraumlenkung, e i n Zimmer in der 1. Etage des Pfarrhauses anzuerkennen. (Stattdessen aber hatte die junge Familie eines Polizisten mit einem Kind im Pfarrhaus 3 Zimmer mit Küche und abgeschlossenen Balkon.)

Um Wohnraum freizubekommen wurden durch kirchliche Vermittlung zwei alte Leute aus dem Stadtbezirk in das Altersheim St. Benno-Stift aufgenommen. Auch danach waren noch monatelange Verhandlungen nötig, um durch Umquartierung einer Mieterin (Frau Hahn) zwei Zimmer im Pfarrhaus zu erhalten.

Nach diesen und anderen Erfahrungen mit dem genannten Haus (es wohnten drei Polizisten darin) schien es geboten, nach einer anderen Unterkunft in der Nähe der Kirche Ausschau zu halten…”

Der Umzug ins Haus Am Hochwald 2: Der Ärger geht weiter

Pfarrhaus, Am Hochwald 2

Es wurden Verhandlungen mit dem Besitzer des Nachbarhauses der Kirche Am Hochwald 4 aufgenommen. Als diese Absicht schon fast zum Ziel kam, wurde das Haus als Gästehaus für das Kernforschungszentrum Rossendorf beansprucht. Deshalb wurde von staatlichen Stellen keine Kaufgenehmigung erteilt. Am selben Tag wurde das zweite Haus neben der Kirche zum Kauf angeboten. Die nötigen Verhandlungen mit staatlichen und kirchlichen Stellen wurden vorangetrieben. Am 13. Juni 1956 konnte der Kaufvertrag mit Frau Susanne Müller notariell abgeschlossen werden.

Neben Frau Müller gab es im Haus noch drei weitere Mietparteien. Die eigentlich als Pfarrwohnung vorgesehenen Räume konnten aber noch nicht bezogen werden. Eine Redakteurin und ein Schauspieler hatten ihre Zusage nicht eingehalten, einem Wohnungstausch zuzustimmen. In einem Brief von der zuständigen staatlichen Stelle steht, dass die genannten Personen Anrecht auf 300 qm Wohnfläche haben, da sie sich “für den Aufbau des Sozialismus aktiv eingesetzt haben”. So blieben dem Pfarramt nur zwei Räume mit Küche zur Verfügung.

 

1955/56: Baracke, Glocken, Orgel – alles neu

Der Religionsunterricht fristete ein jämmerliches Dasein: Die Versammlungen hatten in dem früheren Luftschutzkeller unter der Kirche stattgefunden. Es war feucht und dunkel. Am 26. Juli 1955 konnte mit Hilfe des Bonifatius-Werkes beim Bistum Meißen für etwa 7.300 Mark eine Baracke erworben, aufgestellt und eingerichtet werden. Von der Kirche aus wurde eine Gasleitung gelegt und zur Beheizung ein Gasradiator angeschlossen.

Eine der drei Glocken

Ein Glockengeläut gab es bis zu dieser Zeit noch nicht. Schon zur Firmung 1955 hatte man mit Bischof Dr. Otto Spülbeck über ein Stahlgeläut gesprochen. Im gegenseitigen Einvernehmen war man auseinandergegangen. Im Januar 1956 konnte ein Auftrag an die Glockengießerei Schilling & Lattmann in Apolda/Thür. erteilt werden. Die Glocken kamen im September. Doch gab es noch einigen Ärger wegen des Glockenstuhles. Sollten die Glocken zu Weihnachten das erste Mal läuten können? Nach vielen Verhandlungen begann die Montage des Glockenstuhles am 14. Dezember. Der Glockenmonteur der Fa. Schilling kam am 24. Dezember, nachmittags 14.00 Uhr. Am Heiligen Abend 1956 läuteten die Glocken zum ersten Mal.

Die Finanzierung des gesamten Vorhabens erfolgte allein durch die Gemeinde: drei Glocken, Glockenstuhl und Ingenieurskosten beliefen sich auf 4.150 Mark. Noch heute rufen sie die Gläubigen regelmäßig zum Gebet. Sie tragen folgende Aufschriften: die große Glocke “Angelus custodiens: Pacem Christi nuntio”, die mittlere Glocke “Maria gloriosa: Plebem voco” und die kleine Glocke “ St. Hubertus: Deum laudo”.

In die gleiche Zeit fallen die Bemühungen um eine eigene Orgel. Sie sollte das Harmonium ersetzen, das bis dahin auf der Empore für die Begleitung zur Verfügung stand. Wegen der angespannten Finanzlage wurde 1955 beschlossen, die Orgel in zwei Abschnitten zu erbauen. Der erste Bauabschnitt belief sich auf 14.000 Mark, der zweite auf 18.400 Mark. Kontakt wurde aufgenommen mit der Orgelbaufirma Jehmlich in Dresden. Sie sah sich aufgrund von Materialmangel außerstande, die Orgel bis Weihnachten zu liefern. Neuer Liefertermin war Pfingsten 1956. Weitere Terminschwierigkeiten folgten, so dass die endgültige Fertigstellung erst am 22. Dezember 1956 stattfinden konnte.

Aloys Bolte hatte in seiner Anstellungsurkunde den Auftrag bekommen, auf die feste Errichtung einer Pfarrei hinzuarbeiten. Seine vielfältigen Bemühungen kamen am 21. April 1957 zum Abschluss.

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