Die Schlosskapelle Pillnitz

1. Vorgeschichte

1718 erwirbt August der Starke Schloss Pillnitz. Seine Pläne: ein königliches Lust- und Sommerschloss an der Elbe. Unter anderem wird sein Stararchitekt Pöppelmann (neben Longueleme) beauftragt. Die Bauleitung hat Graf Wackerbarth.

1720/21 entsteht das Wasserpalais; 1722/23 das Bergpalais; 1723 der Venustempel. 1724 folgt die katholische Schlosskapelle Ss. Trinitatis als Anbau an den Venustempel; das Altarbild ist von Lucas Cranach. Genauere Informationen über Motiv und Ausstattung gibt es nicht.

 

 2. Die Weinbergkirche

Die vorhandene evangelische Schlosskirche wird zugunsten des Lustschlosses abgerissen. Als Ersatz gibt August der Starke den Bauplatz im königlichen Weinberg und übernimmt die Kosten. Die Einbauten sowie die Überreste der Gräber werden dorthin überführt. 1723-25 wird die neue Schlosskirche unter der Leitung von Pöppelmann erbaut. 23. Mai 1723 ist die letzte Predigt in der alten Schlosskirche, einen Monat später die Grundsteinlegung für die neue, die Einweihung erfolgt am 11. November 1725.

 

3. Die neue katholische Kapelle

Blick auf die Schlosskapelle (Hochwasser Juni 2013)

Blick auf die Schlosskapelle (Hochwasser Juni 2013)

1818 brennt das alte Schloss Pillnitz ab; im gleichen Jahr beginnt der Wiederaufbau unter Oberlandbaumeister Schuricht. Im neuen Palais findet auch die katholische Kapelle ihren Platz. 1826 ist der Kapellenflügel fertiggestellt, ein klassizistischer Bau.

Die Kapelle ist als Saalkirche konzipiert. Die Seitenwände sind durch korinthische Pilaster gegliedert, dazwischen befindet sich der Rundbogen als Feld bzw. als Fenster. Der Altarraum befindet sich auf der Westseite, im Osten ist der Eingang der Kapelle, darüber die Empore für Chor und Orgel.

 

4. Der Maler Carl Christian Vogel von Vogelstein

Entschlafung Mariens - Deckenbild Schlosskapelle

Entschlafung Mariens – Deckenbild Schlosskapelle

Auftragnehmer für die Ausmalung ist der Maler Carl Christian Vogel von Vogelstein, ein bedeutender Historien- und Portraitmaler der Romantik, Prof. an der Kunstakademie. Er kam mit seinem Vater nach Dresden, der die Position des Hofmalers innehatte. 1804 studierte er an der Kunstakademie und ging dann auf Wanderschaft: St. Petersburg, Rom, Neapel, Florenz. 1820 wurde er an der Kunstakademie der Nachfolger von Gerhard von Kügelgen, 1824 erfolgt die Ernennung zum Hofmaler. 1831 wurde er schließlich von Anton dem Gütigen aufgrund seiner Verdienst ein den Adelsstand erhoben. Er wirkte über 30 Jahre in Dresden und ging nach seinem Ruhestand nach München, wo er auch starb.

 

5. Die Ausstattung der Kapelle

1825 entstanden die Entwürfe für die Deckenbilder und Fresken; ein Jahr später begann Carl Christian Vogel von Vogelstein mit der Arbeit. Unterstützt wurde er von anderen Malern, meist Schülern an der Dresdner Akademie. Zwei Jahre später, 1828, waren die Deckengemälde fertig, ein Jahr darauf die Wandbilder, 1830 schließlich das Hauptaltarbild. Die Einweihung erfolgte am Fest des Hl. Benno, am 16. Juni 1830. Erwähnenswert ist die Malweise: Die Ausmalung erfolgte als Fresko. Damit hat er als erster diese Technik in Sachsen wieder eingeführt.

 

6. Das Bildprogramm und seine Bezüge zur Heiligen Schrift sowie zu den Festen im Kirchenjahr

Blick in den Kirchenraum (Altarweihe Mai 2014)

Blick in den Kirchenraum (Altarweihe Mai 2014)

Eingangstür rechts/links: Verkündigung der Geburt Jesu (Lk 1,26-38) – Fest: 25. März

1. Bogenfeld: Heimsuchung Mariens (Lk 1,39-56) – Fest: 2. Juli (bzw. 31. Mai)

2. Bogenfeld: Geburt Christi mit Esel und Hund (Lk 2,1-20) – Fest: 25. Dezember

3. Bogenfeld: Darstellung im Tempel nach 40 Tagen (Lk 2,21-40) – Fest: 2. Februar

4. Bogenfeld: Flucht nach Ägypten (Mt 2,13-15) – Fest der Unschuldigen Kinder: 28. Dezember oder Gedächtnis der Schmerzen Mariens: 15. September – Die 7 Schmerzen Mariens sind im einzelnen: 1. die Weissagung Simeons (Lk 2, 34-35); 2. die Flucht nach Ägypten (Mt 2, 13-15); 3. das dreitägige Suchen nach Jesus bei der Wallfahrt zum Tempel (Lk 2, 41-52); 4. der Weg nach Golgota; 5. die Kreuzigung Jesu; 6. die Abnahme Jesu vom Kreuz; 7. die Grablegung Jesu

5. Bogenfeld: Der 12-jährige Jesus im Tempel als Lehrer (!) (Lk 2,41-52) – Gedenktag des Unbefleckten Herzen Mariens: früher 22. August, jetzt Sa nach dem 2. Sonntag nach Pfingsten

1. Deckenbild: Mariä Heimgang – Hochfest am 15. August

2. Deckenbild: Aufnahme Mariens in den Himmel – Hochfest am 15. August. Das Dogma zu diesem Glaubensgeheimnis wurde über einhundert Jahre später, am 1.11.1950, durch Pius XII. verkündet.
Die Präfation des Hochfestes fasst das Festgeheimnis folgendermaßen zusammen: „In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und das Werk deiner Gnade zu rühmen. Denn heute hast du die jungfräuliche Gottesmutter in den Himmel erhoben, als Erste empfing sie von Christus die Herrlichkeit, die uns allen verheißen ist, und wurde zum Urbild der Kirche in ihrer ewigen Vollendung. Dem pilgernden Volk ist sie ein untrügliches Zeichen der Hoffnung und eine Quelle des Trostes. Denn ihr Leib, der den Urheber des Lebens geboren hat, sollte die Verwesung nicht schauen. Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit: Heilig, Heilig, Heilig …“
Die Kirche feierte das Fest Mariä Heimgang (lat. Dormitio = Entschlafung) im Osten wenigstens seit dem 6. Jh. und in Rom sicherlich seit Ende des 7. Jh. Schon bald wurde neben dem Tod auch die Unverweslichkeit des Leibes und seine Aufnahme in den Himmel betont und das Fest wurde umbenannt in „Assumptio“. Diese Aufnahme (Assumptio) Mariens ist ein Abbild, welches auf ihr Vorbild, die Himmelfahrt (Ascensio) Christi verweist. In den liturgischen Texten des 8./9. Jh. ist die Idee der leiblichen Aufnahme klar bezeugt.
Das Brauchtum verbindet den 15. August mit der Tradition der Kräuterweihe: In der Regel werden sieben verschiedene Kräuter zu einem Strauß zusammengebunden. Sie verdeutlichen zum einen die sieben Sakramente und zum anderen die sieben Schmerzen Mariens. Zusätzlich zu den Kräutern werden Getreidehalme in den Strauß mit eingebunden. Dadurch kommt einerseits das Bild der Vergänglichkeit alles Irdischen zum Ausdruck („Das Weizenkorn muss sterben…“), anderseits wird unsere Bitte um das tägliche Brot so sichtbar.

3. Deckenbild: Krönung Mariens im Himmel – Gedenktag Mariä Königin: 22. August

 

7. Der Hochaltar

Hochaltar (Altarweihe Mai 2014)

Hochaltar (Altarweihe Mai 2014)

Im Zentrum finden wir Maria mit dem Jesusknaben über den Wolken.

Links: Hl. Bischof Friedrich = Patron König Friedrich August II. (*1797 Pillnitz – 1836 – +1854) – Dresdner Neumarkt

Rechts: Hl. Johannes Nepomuk in der Tracht der Prager Domkapitulare = Patron seines Bruders, des späteren König Johann (+1801 – 1854 – +1873 in Pillnitz) – vor der Semperoper

 

8. Das Farbglasfenster

Mitte: Maria mit dem Jesusknaben – Stil: Neorenaissance

Links: Albertus Magnus = Namenspatron des Königs Albert von Sachsen (*1828 – 1873 – +1902) – Albertstadt, Albertbrücke, Albertplatz, Albertinum

Rechts: Carl Borromäus (Erzbischof von Mailand) = Namenspatron der Königin Carola von Sachsen (1833-1907)

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